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Innenarchitektur des Gottesdienstraumes

Durch deine Liebe darf ich in dein Haus kommen, voll Ehrfurcht bete ich dich in deinem heiligen Tempel an. Ps 5,8

Haben Sie das Wort Prinzipalstücke schon einmal gehört? Ausgehend von dem aus dem Lateinischen stammenden Wort „Prinzip“ (=Grundlage) bezeichnet er die wichtigsten Einrichtungsgegenstände einer Kirche, die sie überhaupt erst dazu machen und von anderen Gebäuden eindeutig unterscheiden. Auch unser Gottesdienstraum wäre ohne Altar, Taufständer und Lesepult nur ein Saal. Es würde nicht ersichtlich, warum wir uns hier versammeln.
Sicher ist Ihnen schon aufgefallen, dass alle unsere Prinzipalstücke zusammenpassen und eine besondere Form haben. Es sind keine Möbel „von der Stange“, sondern die Innenarchitektin Gabriele Baumann aus Berlin hat sie extra für unseren Gottesdienstraum entworfen. In der Meißener Kunsttischlerei Konrad Mauersberger wurden sie dann in Handarbeit aus Lärchenholz gefertigt. Ihre Formgebung erinnert an einen ausladenden Baum als Zeichen für die Beständigkeit im Glauben (Ps.1,3; Jer.17,7+8). Erkennen Sie, wie sich die Äste nach oben verzweigen?

 

RSSPrint

Der Altar

Altäre gibt es seit urdenklichen Zeiten überall in der Welt. Auf großen Steinplatten wurden den Göttern Opfer dargebracht. Im Alten Testament lesen wir oft von Opfern, und auch im Neuen Testament lassen z.B. Jesu Eltern als Dank für ihr gesundes Kind im Tempel zwei Tauben opfern (Lk.2,22-24).

Tod und Auferstehung Jesu aber sind einmalig und nicht zu übertreffen, sie machen weitere Opfer unnötig (Hebr.9). So ist der Altar für die christliche Gemeinde kein Opfertisch, sondern der Ort, wo in der Feier des Heiligen Abendmahls das Sterben und die Auferstehung Jesu gegenwärtig werden. Um diesen Tisch versammeln wir uns in unterschiedlicher Weise.
Waren Sie schon einmal da, als die Seitentische den Altar zu einem Achteck ergänzten? Hier erscheinen das Achteck des Raumes und der Decke wieder. Der Altar steht dann in der Mitte und die Stühle in Halbkreisen um ihn.  Das gibt ein ganz neues Bild.

Das Kreuz

Das Kreuz gehört zum Altar und zeigt an, dass es sich hier um einen christlichen Altar handelt. Unser Kreuz befindet sich an der Stirnwand des Gottesdienstraumes. Alle Linien im Raum laufen darauf zu. Es bleibt der zentrale Blickfang, auch wenn der Altar einmal einen anderen Platz einnimmt.

Unser Kreuz zeigt nicht den Körper des gekreuzigten Heilands. Es ist „leer“ und auf diese Weise offen für alle Gedanken, die sich mit ihm verbinden. Es ist Zeichen des Leidens und zugleich Symbol des Sieges über Leid und Tod, die Auferstehung.

Die Osterkerze

Auf dem Altar stehen in der christlichen Tradition auch Kerzen. Die Osterkerze ist eine besondere Kerze, sie ist das Christuslicht, das in der Osternacht entzündet wird und dann bei allen Gottesdiensten bis zum Beginn der nächsten Passionszeit leuchtet.

Sie steht auf einem freistehenden großen Ständer, der bei uns wieder passend zu den Prinzipalstücken gearbeitet ist. An ihr werden die Taufkerzen entzündet. Die Osterkerze zeigt das Kreuz und die griechischen Buchstaben Alpha (Α) und Omega (Ω), denn Christus ist A und O, Anfang und Ende von allem (Offb.21,6). Dazu kommt die jeweilige Jahreszahl.

Der Taufständer

Im Neuen Testament lesen wir, dass Jesus durch Johannes den Täufer im Jordan getauft wurde (Mk.1,9). Das geschah durch Untertauchen. Auch die christliche Taufe, die sich auf den Taufbefehl Jesu (Mt. 28,18-20) gründet, war anfangs ein Untertauchen des ganzen Menschen.

Später stellte man in den Kirchen große Taufbecken auf, in die mühelos kleine Kinder getaucht werden konnten. Schließlich kamen Taufschalen in Gebrauch, die in den Taufstein eingesetzt werden. Wir haben eine schöne, schlichte Schale aus Kupfer auf unserem Taufständer. Daraus schöpft der Pfarrer mit der Hand das Wasser, um den Kopf der Kinder oder Erwachsenen dreimal mit Wasser zu begießen und sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, zu taufen. So werden sie mit Christus verbunden und in die christliche Gemeinschaft aufgenommen.

Das Lesepult

In älteren Kirchen gibt es oft reich verzierte Kanzeln, die etwas oberhalb an einem Pfeiler oder über dem Altartisch (Kanzelaltar) angebracht sind. Außerdem ist meistens noch ein Lesepult vorhanden.

Unser Pult dient für beides, die gottesdienstlichen Lesungen und die Predigt, natürlich auch für Mitteilungen an die Gemeinde. Wie der Altar ist es mit einem Stoffbehang (Parament) in der jeweiligen Kirchenjahresfarbe geschmückt, was verdeutlichen soll, dass wir es nicht mit irgendeinem Rednerpult zu tun haben. Die Paramente wurden in den Werkstätten der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee von Behinderten gewebt, ebenso auch die Stolen (schmale Umhänge), die die Pfarrer im Gottesdienst tragen. In ihnen wiederholen sich die Farben und Muster der Paramente.

Die Orgel

In unserem Gottesdienstraum steht ein Instrument, das sich an den Orgeln des 18. Jh. orientiert. In der Firma „Mecklenburger Orgelbau“ mit ihrem damaligen Chef Wolfgang Nußbücker wurde es extra für uns entworfen und gebaut. Die Orgel passt mit ihrem hellen Holz und der klaren Form sehr gut zu der übrigen Einrichtung. Sie ist ein mittelgroßes Instrument von ca. fünfeinhalb Metern Höhe und zwei Metern Breite.

Die Orgelspieler sitzen im Blick der Gemeinde. Beim Zusehen ist man immer wieder fasziniert: Auf den zwei übereinander angeordneten Manualen des Spieltisches bedienen sie die Tasten mit den Fingern, gleichzeitig mit den Füßen unten das Pedal. Vorher und auch während des Spielens ziehen sie einige der links angeordneten elf Register, um die Klangfarbe des Orgelspiels zu gestalten. Um die Lautstärke zu regulieren, ist neben dem Pedal ein sogenannter Schweller vorhanden, und in der Vorderfront der Orgel gibt es Faltläden, die geöffnet oder geschlossen werden können. Dieser Vorgang ist nicht nur für die Kinder spannend anzusehen.

Unsere Orgel hat 699 Pfeifen. Die großen Pfeifen sind aus Holz und bis zu 2,50 m lang, die größte  von ihnen hat ein Volumen von 80 Litern. Die kleinen dagegen aus einer Zinnlegierung, wovon die allerkleinste Pfeife ganze 18 cm lang und nur 4 mm dick ist. Für den nötigen Wind sorgt ein elektrisch betriebenes Turbogebläse.

Das Bild

"Love them!" ("Liebt sie!") - das ist der Titel des Werkes von Sudhir Deshpande. "Die Menschen verschwenden ihre Energie, einander zu bekämpfen", sagte er. Aber Gefühle wie Liebe, Hunger und Hoffnung hätten alle Menschen gemeinsam. Das möchte er in seinen Werken darstellen.

Es hat die Form eines Tryptichons (dreiteiliges Bild) und ist 4,5m x 2m groß. Im Eingangsbereich des Gemeindeszentrums  hängt der nachfolgende Text, in welchem der indische Maler Sudhir Despande seine Gedanken zu dem Gemälde beschrieben hat (im Original englisch).

Mit seiner intensiven Farbigkeit ist das Bild ein echter Blickfang und großer Gewinn. Vielen Menschen gefällt es sehr. Andere können damit nichts Rechtes anfangen. Ich sehe darin Wärme und Kälte, Sonne und Mond, Tag und Nacht und in der Mitte eine große Blume, deren Blütenstand wie aus vielen Gesichtern und einer sie umfassenden und beschützdenden Gestalt besteht. Ein großer Schmetterling sitzt links an der Seite als Zeichen für das Leben in seiner Vielfalt und Veränderlichkeit. Das Gemälde lässt viel Freiraum zur Interpretation. Mir würde etwas Schönes in unserem Gottesdienstraum fehlen, hinge es nicht gegenüber der Orgel.

Alle Texte wurden von Regina Hirth 2011 zum 20-jährigen Jubiläum des Gemeindezentrums geschrieben.
Für diese Veröffentlichung wurden sie 2020 leicht gekürzt und angepasst.

Letzte Änderung am: 31.08.2020