Monatsspruch August: Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apg. 26, 22

Beendet der einmalige Feiertag am 31. Oktober 2017 das Reformationsjubiläum? Einige werden sagen, endlich. Nach 10 Themenjahren der Reformationsdekade, Kirchentagen in Berlin und dem Reformationssommer in Wittenberg ist langsam genug mit Großevents und Feiern. Andere werden sagen, die wirkliche Reformation der Kirche steht aus und hoffen darauf, dass sich die Kirche nach dem Reformationstag endlich mit ihrer eigenen Krise auseinandersetzt. Neben großen Erwartungen betonen Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff in ihrem Memorandum zum Reformationsfest 2017 zwei Punkte, die auch für unsere Gemeinde wichtig sind.

In der Reformation wurden Glaube und Bildung neu miteinander verbunden. Zwar können heute die meisten Menschen lesen, schreiben und rechnen, aber es droht biblischer Analphabetismus. Zukunftsängste und Hartherzigkeit greifen in unserer Gesellschaft um sich. Zu den lebenswichtigen Einsichten aus unseren christlichen Quellen zählt, wie eng Barmherzigkeit und Vernunft zusammen gehören, wie stark Hoffnung und Zuversicht sind. Je stärker wir diesen Reichtum leben und weitergeben, desto reformatorischer bleibt unsere Gemeinde.Glaube braucht ein Zuhause. Die Gemeinde ist dieser Ort. Es geht um einen sehr persönlichen, Vertrauen schaffenden Raum, der nicht beengt oder andere ausschließt. Immer mehr Menschen finden in unserer Gesellschaft keine Räume, in denen sie sich beheimatet fühlen. Unsere Gemeinde ist mit dem Gottesdienst in der Mitte und den vielen Kreisen und Gruppen wie ein großes Dach über viele solche Räume. Je einladender wir dieses Dach und die Räume gestalten, desto reformatorischer bleibt unsere Gemeinde.

Luther hat seine legendären 95 Thesen vor 500 Jahren mit der Mahnung eingeleitet, "dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll." Viele lebten damals in Angst vor Gottes Gericht und Hölle. Sie vertrauten aber nicht der Buße als Umkehr in die Arme Gottes, sondern kauften kräftig Ablassbriefe. Es ist gut, dass uns heute diese Angst vor Verdammnis und Fegefeuer nicht mehr umtreibt. Aber es gibt neue Ängste, aus denen heute Geschäfte gemacht werden. Wenn wir uns mit christlicher Hoffnung und dem Mut, die Welt zu hinterfragen, gegen diese Ängste stellen, dann tragen wir dazu bei, dass die Reformation nach dem 31. Oktober weitergeht.

Ihr Ingolf Hübner